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FSP Teil 3 · Patientenvorstellung

Spickzettel: Indikativ oder Konjunktiv I?

Bei der mündlichen Patientenvorstellung müssen Sie ständig entscheiden: Berichte ich etwas als gesicherte Tatsache (Indikativ), oder gebe ich lediglich wieder, was der Patient gesagt hat, ohne es selbst zu bestätigen (Konjunktiv I)? Diese Seite fasst die Entscheidungsregel kompakt zusammen – Sie können sie jederzeit aufrufen, auch mitten in einer Übung.
📚 Diese Regel systematisch mit Übungen trainieren (Formenbildung, Lückentext, Fehlersuche, Zeitdruck-Quiz) → Kapitel 10: Konjunktiv I & Register-Regel im Bereich „Grammatik für Ärzte".
Faustregel in drei Fragen 1. Habe ich das selbst festgestellt (untersucht, gemessen, gesehen)? → Dann Indikativ.
2. Hat der Patient es klar und bestimmt gesagt, ohne Unsicherheit? → Dann ist Indikativ die übliche Form (in der mündlichen Prüfung meist toleriert, auch wenn Konjunktiv I grammatisch die "korrektere" indirekte Rede wäre).
3. Ist die Angabe vage, unsicher, oder distanziert sich der Patient selbst davon ("weiß nicht genau", "vermute")? → Dann Konjunktiv I, um diese Unsicherheit hörbar zu machen.

Die Situationen im Überblick

1. Aktuelles, jetzt bestehendes Symptom oder vegetative Anamnesebeide Register möglich
Schmerz, Übelkeit, Kribbeln, Schwindel, Atemnot u. Ä., das der Patient im laufenden Gespräch schildert, ebenso Angaben zu Appetit, Schlaf, Stuhlgang/Miktion oder Gewichtsverlauf (vegetative Anamnese). Streng genommen ist Konjunktiv I hier die "lehrbuchkorrekte" indirekte Rede – in der mündlichen FSP wird Indikativ ebenfalls akzeptiert.
Indikativ: „Der Schmerz hat vor drei Tagen begonnen.“ / „Der Appetit ist seit einer Woche vermindert.“
Konjunktiv I: „Der Schmerz habe vor drei Tagen begonnen.“ / „Der Appetit sei seit einer Woche vermindert.“
2. Selbst erhobener, objektiver Befundnur Indikativ
Alles, was Sie selbst durch eigene Untersuchung, Messung, Auskultation oder Bildgebung festgestellt haben. Das ist Ihre eigene Aussage – kein Grund zur Distanzierung.
Beispiel: „Klinisch zeigt sich ein deutlicher Druckschmerz im rechten Unterbauch.“
3. Einfache, direkt erfragte Faktennur Indikativ
Beruf, Wohnsituation, Nikotin-/Alkoholkonsum, Dauermedikation – Angaben, die nicht strittig oder unsicher sind, sondern schlicht abgefragte Fakten.
Beispiel: „Der Patient ist Bürokaufmann und lebt allein.“
4. Familienanamnese & Sozialanamnese (Angehörige, Noxen)nur Indikativ
Diagnosen/Angaben über Verwandte (Familienanamnese) sowie Nikotin-/Alkoholkonsum (Sozialanamnese) werden wie einfache, abgefragte Fakten behandelt – anders als bei aktuellen Beschwerden gilt hier kein Konjunktiv I als gleichwertige Alternative, auch wenn die Angabe letztlich auf Fremdbericht oder Selbsteinschätzung beruht. Ausnahme: Drückt der Patient selbst ausdrücklich Unsicherheit aus ("weiß aber nicht genau was", "glaub ich"), macht Konjunktiv I diese Unsicherheit hörbar – dann entscheidet wie bei Kategorie 1 die Bestimmtheit der Formulierung.
Beispiel: „Die Mutter leidet an einem Diabetes mellitus Typ 2.“ / „Er raucht seit 15 Jahren.“ / „Der Alkoholkonsum ist gelegentlich.“ — bei Unsicherheit: „Mein Vater hatte auch mal sowas, weiß aber nicht genau was“ → „Der Vater habe angeblich auch einmal etwas Ähnliches gehabt, Genaueres sei nicht bekannt.“
Sonderfall: Negative Angabe / Ausschlussimmer Indikativ
Feste Verneinungsformeln bleiben unabhängig vom Inhalt immer im Indikativ – auch wenn es um Angehörige oder Vorgeschichte geht.
Beispiel: „Eine Dauermedikation wird verneint.“ / „Die Familienanamnese ist unauffällig.“
Kurztabelle zum schnellen Nachschlagen
SituationRegisterBeispiel
Aktuelles Symptom / vegetative Anamnesebeide möglich„Der Schmerz hat/habe vor drei Tagen begonnen.“ / „Der Appetit ist/sei seit einer Woche vermindert.“
Eigener Untersuchungsbefundnur Indikativ„Klinisch zeigt sich ein deutlicher Druckschmerz.“
Einfache Fakten (Beruf, Wohnen, Medikation)nur Indikativ„Der Patient ist Bürokaufmann.“
Familienanamnese / Sozialanamnese (Angehörige, Noxen)nur Indikativ (außer bei expliziter Unsicherheit des Patienten → Konjunktiv I)„Die Mutter leidet an Diabetes.“ / „Er raucht seit 15 Jahren.“ / bei Unsicherheit: „Der Vater habe angeblich auch mal etwas Ähnliches gehabt, Genaueres sei nicht bekannt.“
Negative Angabe / Ausschlussimmer Indikativ„Eine Dauermedikation wird verneint.“